Die Woche der Inflationsdaten —
der nächste Test für die Fed
Nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht verlagert sich der Blick auf die Preise. Im Zentrum steht der US-Verbraucherpreisindex am Mittwoch — er dürfte zeigen, ob Fed-Chef Kevin Warshs hawkischer Kurs Bestand hat oder ob die Zinssenkungshoffnungen des Marktes neue Nahrung bekommen. Ein Überblick, ohne Prognose.
Terminvorschau: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Bildung. Keine Anlageberatung. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Alle Termine und Schätzungen ohne Gewähr.
- Am Mittwoch steht der US-Verbraucherpreisindex (CPI) für Juli im Mittelpunkt — Konsens laut FactSet: 2,8 % im Jahresvergleich (nach 3,5 % im Juni), während die Kernrate von 2,6 % auf 3,0 % zulegen dürfte
- Nach dem schwachen Jobbericht vom Freitag (−23.000 Stellen) und Fed-Chef Kevin Warshs hawkishem Auftritt bei der Sitzung am 29. Juli wird die Woche zum Kräftemessen zwischen Marktzuversicht und Notenbank-Rhetorik vor der Fed-Sitzung am 16. September
- Bei den Unternehmen berichtet Cisco Systems am Mittwoch nach Börsenschluss — einer der wenigen großen Einzeltermine einer datenlastigen, aber earnings-ruhigen Woche
Nach dem Schock vom Freitag könnte man eine ruhigere Woche erwarten. Das Gegenteil ist der Fall: Der Fokus verschiebt sich lediglich — weg von der Beschäftigung, hin zu den Preisen. Der S&P 500 schloss die Vorwoche trotz des schwachen Arbeitsmarktberichts auf einem Rekordhoch von 7.757,64 Punkten, der Nasdaq Composite legte um 5,2 % zu. Ob diese Rekordlaune Bestand hat, dürfte maßgeblich davon abhängen, welches Bild die Inflationsdaten dieser Woche von der US-Wirtschaft zeichnen.
Die US-Verbraucherpreise für Juli
Am Mittwoch, den 12. August, veröffentlicht das US-Arbeitsministerium um 14:30 Uhr deutscher Zeit den Verbraucherpreisindex (CPI) für Juli. Ökonomen erwarten laut FactSet-Konsens einen Anstieg um 0,2 % zum Vormonat und eine Jahresrate von 2,8 % — nach 3,5 % im Juni. Die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel soll dagegen von 2,6 % auf 3,0 % zulegen.
Warum dieser Bericht besonders zählt
Die Inflation hat in diesem Jahr eine turbulente Entwicklung durchlaufen. Im Mai kletterte die Jahresrate auf 4,2 % — den höchsten Stand seit April 2023 —, angetrieben von den Energiepreisen im Zuge der Eskalation um den Iran-Konflikt. Im Juni fiel die Rate dann überraschend deutlich auf 3,5 %, der stärkste monatliche Rückgang seit April 2020, nachdem ein Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran die Energiepreise entlastete. Für Juli erwartet der Konsens eine weitere Abkühlung auf 2,8 %.
Ein Rückgang auf 2,8 % wäre ein zweischneidiges Signal. Fiele die Rate deutlich niedriger aus, dürfte das die Zinssenkungshoffnungen des Marktes weiter nähren und Warshs restriktiven Kurs infrage stellen. Ein Wert über den Erwartungen — insbesondere bei der Kernrate — würde umgekehrt seine Warnung stützen, die Preise seien „noch zu hoch", wie er es bei der Fed-Sitzung am 29. Juli formulierte, bei der drei Notenbanker sogar für eine Zinserhöhung stimmten. Besonders aufmerksam dürften Beobachter dabei auf die Kernrate schauen: Sie gilt als Signal für zugrunde liegenden, tariff-getriebenen Preisdruck, der sich nicht einfach mit sinkenden Energiepreisen wegerklären lässt.
Die Termine der Woche im Überblick
Ruhiger Wochenauftakt
Der Employment-Trends-Index des Conference Board für Juli liefert einen ersten, eher nachrangigen Frühindikator vor der datenintensiven Wochenmitte. Keine Topdaten.
NFIB-Mittelstandsindex & Hausverkäufe
Der NFIB-Index zur Stimmung kleiner Unternehmen für Juli und die bestehenden Hausverkäufe geben erste Hinweise auf die Konjunkturlage vor dem CPI-Termin.
US-Verbraucherpreise & Cisco Systems
Um 14:30 Uhr deutscher Zeit der Verbraucherpreisindex für Juli — der wichtigste Einzeltermin der Woche. Nach Börsenschluss meldet Cisco Systems Quartalszahlen, Konsens: 1,17 USD Gewinn je Aktie.
Erzeugerpreise & Erstanträge
Der Erzeugerpreisindex (PPI) für Juli gilt als Vorlaufindikator für künftige Verbraucherpreise. Dazu die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
US-Einzelhandelsumsätze
Die Einzelhandelsumsätze für Juli schließen die Datenwoche ab und zeigen, wie robust die Konsumnachfrage trotz der Preisentwicklung tatsächlich ist.
Drei Faktoren, die die Woche prägen dürften
1. CPI als Schiedsrichter zwischen Markt und Fed
Der schwache Jobbericht vom Freitag hat die Zinssenkungshoffnungen des Marktes neu befeuert — Warshs hawkischer Auftritt bei der Fed-Sitzung am 29. Juli deutet in die Gegenrichtung. Der CPI-Bericht am Mittwoch dürfte maßgeblich mitbestimmen, welche Seite vor der nächsten Fed-Sitzung am 16. September die Oberhand behält.
2. Die Kernrate und die Tarif-Frage
Während die Gesamtrate durch sinkende Energiepreise gedrückt wird, erwarten Ökonomen bei der Kernrate eine Beschleunigung auf 3,0 % — ein Hinweis darauf, dass Zolleffekte zunehmend in die Preise durchsickern könnten. Diese Divergenz zwischen Gesamt- und Kernrate dürfte die Interpretation des Berichts erschweren.
3. Öl, Gold und die geopolitische Risikoprämie
Die Lage rund um die Straße von Hormus hat sich zuletzt durch Vermittlungsgespräche etwas entspannt, bleibt aber fragil. Gold notierte zum Wochenschluss nahe seiner Jahreshochs, gestützt von Zinssenkungshoffnungen und Sicherheitsbedürfnis — bei gleichzeitig historisch hoher spekulativer Netto-Long-Positionierung laut CFTC-Daten, was Beobachter traditionell als Gegensignal werten. Ob sich die Risikoprämie hält oder abbaut, dürfte auch von den Inflationsdaten dieser Woche mitbeeinflusst werden.
Zusammengefasst: Die Woche verlagert den Fokus von der Beschäftigung auf die Preise — mit dem CPI-Bericht als Höhepunkt. Ob er die Zinssenkungshoffnungen des Marktes bestätigt oder Warshs restriktiven Kurs stützt, lässt sich nicht vorhersagen. Was sich sagen lässt: Nach einer Woche voller Überraschungen dürfte auch dieser Bericht genau gelesen werden.
Hinweis: Alle Inhalte auf consus-news.com dienen ausschließlich der Information und Bildung. Sie stellen keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Alle Termine und Schätzungen ohne Gewähr. Der Handel mit Finanzinstrumenten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.
