Die Woche der Entscheidungen —
Fed, Big Tech und die Inflation
Selten ballen sich so viele marktbewegende Termine in fünf Tagen: die US-Notenbank entscheidet über die Zinsen, vier der größten Tech-Konzerne legen Zahlen vor, und mit BIP und PCE kommen die wichtigsten Konjunkturdaten des Monats. Ein Überblick — ohne Prognose.
Terminvorschau: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Bildung. Keine Anlageberatung. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Alle genannten Termine und Schätzungen ohne Gewähr.
- Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Fed über die Zinsen — der Markt erwartet mehrheitlich eine Pause, doch die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung ist zuletzt gestiegen
- Mit Microsoft, Meta, Apple und Amazon berichten vier der „Magnificent Seven" — nach den enttäuschenden Reaktionen auf Alphabet und Tesla stehen die KI-Ausgaben im Fokus
- Am Donnerstag folgen die wichtigsten Konjunkturdaten: das Q2-Bruttoinlandsprodukt und der PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed
Wenn eine einzelne Woche das Zeug hat, die Richtung für den weiteren Sommer vorzugeben, dann diese. Nach einer Woche, die von steigenden Ölpreisen und Sorgen um die KI-Ausgaben geprägt war, trifft der Markt nun auf eine geballte Ladung an Ereignissen — jedes einzelne davon mit dem Potenzial, die Stimmung zu drehen.
Die Fed entscheidet — und der neue Kurs von Kevin Warsh
Am Mittwoch, den 29. Juli, gibt die US-Notenbank um 20:00 Uhr deutscher Zeit ihre Zinsentscheidung bekannt. Es ist die zweite Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh, der seit Mai im Amt ist und einen betont straffen Kurs gegen die Inflation angekündigt hat. Ein neuer Zinsausblick („Dot Plot") wird bei dieser Sitzung nicht veröffentlicht — umso mehr Gewicht liegt auf Warshs Pressekonferenz um 20:30 Uhr.
Die Termine der Woche im Überblick
Ruhiger Wochenauftakt
Der Montag bringt vor allem den Auftakt der Berichtssaison-Woche, ohne große Konjunkturdaten. Der Markt dürfte sich für die kommenden Tage positionieren.
Verbrauchervertrauen & erste Schwergewichte
Das US-Verbrauchervertrauen für Juli gibt einen Hinweis auf die Konsumlaune. Bei den Unternehmen berichten unter anderem Coca-Cola, Boeing, Visa und Ford. Die Fed beginnt ihre zweitägige Sitzung.
Der Haupttag: Fed-Entscheidung + Microsoft & Meta
Um 20:00 Uhr die Zinsentscheidung, um 20:30 Uhr die Warsh-Pressekonferenz. Nach US-Börsenschluss berichten mit Microsoft und Meta zwei der größten Tech-Konzerne. Dazu Qualcomm, Arm, Starbucks und Procter & Gamble.
BIP, PCE-Inflation + Apple & Amazon
Die Daten des Tages: das erste Q2-BIP (erwartet rund +2,3 %) und der PCE-Preisindex — das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. Nach Börsenschluss dann Apple und Amazon. Dazu Mastercard, Shell und Chevron.
Chicago PMI & Monatsausklang
Zum Wochenschluss der Chicago-Einkaufsmanagerindex und die finale Verbraucherstimmung der Universität Michigan. Als Monatsletzter oft ein Tag mit Umschichtungen in den Portfolios.
Im Fokus: Wie sich die Zinserwartung verschoben hat
Noch zu Jahresbeginn rechneten viele Marktteilnehmer mit Zinssenkungen. Doch die durch die Energiepreise wieder angefachte Inflation hat das Bild gedreht. Statt über Senkungen wird nun über eine mögliche Erhöhung diskutiert. Besonders aufschlussreich ist, wie sich die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei dieser Juli-Sitzung in nur wenigen Wochen verändert hat.
Die Bewegung zeigt zweierlei: Erstens ist die Erwartung einer Erhöhung seit Anfang Juli deutlich gestiegen — von rund 13 auf zwischenzeitlich 36 Prozent. Zweitens hat sie sich zuletzt wieder leicht beruhigt, nachdem die Verbraucherpreise (CPI) für Juni etwas kühler ausfielen als erwartet. Die Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet weiterhin mit einer Pause — die eigentliche Debatte hat sich laut Marktberichten auf die September-Sitzung verlagert.
Chair Warsh hat die traditionelle „Forward Guidance" — also klare Hinweise auf künftige Schritte — weitgehend abgeschafft. Das macht seine Pressekonferenz schwerer lesbar und zugleich wichtiger: Ohne neuen Dot Plot sind seine Wörter das Hauptsignal. Beobachter achten besonders darauf, wie er die gestiegenen Ölpreise und deren Inflationswirkung einordnet.
Drei Faktoren, die die Woche prägen dürften
1. Der Ton der Fed
Nicht nur die Entscheidung selbst, sondern vor allem Warshs Wortwahl dürfte die Märkte bewegen. Betont er die Inflationsgefahr durch die Ölpreise, könnte das als Signal für spätere Erhöhungen gelesen werden. Verweist er auf die zuletzt kühleren Preisdaten, dürften Beobachter dies als Zeichen der Geduld werten.
2. Die KI-Ausgaben der Tech-Riesen
Nach den enttäuschten Reaktionen auf die hohen Investitionsausgaben von Alphabet und Tesla in der Vorwoche steht die Frage im Raum, ob Microsoft, Meta, Apple und Amazon ein ähnliches Bild zeichnen. Der Markt dürfte weniger auf Umsatz und Gewinn achten als auf die Aussagen zu den KI-Investitionen.
3. Die Inflationsdaten am Donnerstag
Der PCE-Preisindex ist das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß. Der Kern-PCE wird laut Konsens bei rund 3,4 % im Jahresvergleich erwartet — weiterhin klar über dem 2-Prozent-Ziel. Da die Daten einen Tag nach der Fed-Sitzung kommen, liefern sie den ersten Realitätstest für deren Einschätzung.
Fasst man die Woche zusammen, lässt sich festhalten: Zwischen Geldpolitik, Technologie und Konjunktur berührt sie alle drei großen Kräfte, die die Märkte derzeit bewegen. Prognosen darüber, wie sie ausgeht, wären unseriös. Was sich sagen lässt: Es dürfte eine Woche werden, in der sich das Beobachten besonders lohnt.
Hinweis: Alle Inhalte auf consus-news.com dienen ausschließlich der Information und Bildung. Sie stellen keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Alle Termine und Schätzungen ohne Gewähr. Der Handel mit Finanzinstrumenten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.
